Befund verstehen
Osteochondrose
Kurz gesagt: Osteochondrose ist Verschleiß einer Bandscheibe mit Veränderungen an den angrenzenden Wirbelkörpern. Sie ist im MRT sehr häufig zu sehen, meist im Lendenbereich, und sie verkürzt die Lebenserwartung nicht. Was sie für Sie bedeutet, hängt von Ihren Beschwerden ab.
Stand:
Ärztlich geprüft am von einem in Deutschland approbierten Arzt · So prüfen wir
Was ist eine Osteochondrose?
Die Bandscheibe verliert mit den Jahren Wasser und Höhe. Die angrenzenden Flächen der Wirbelkörper, die Deck- und Grundplatten, reagieren darauf: Sie verdichten sich, bilden kleine Randzacken oder zeigen Veränderungen im Knochenmark. Diese Kombination nennen Radiologen Osteochondrose, meist mit der Höhe dazu, etwa „Osteochondrose L5/S1".
Den Begriff gibt es auch in anderer Bedeutung: Bei Kindern und Jugendlichen bezeichnet er Knochen-Knorpel-Erkrankungen an Gelenken, etwa die Osteochondrosis dissecans. Auf dieser Seite geht es um die Wirbelsäule.
Was heißt „aktivierte" oder „erosive Osteochondrose"?
„Aktiviert" bedeutet, dass im Knochenmark neben der Bandscheibe gerade eine Reizreaktion zu sehen ist, meist als Knochenmarködem. Das entspricht oft Modic-Veränderungen vom Typ 1 und kann mit stärkeren Rückenschmerzen einhergehen.
„Erosiv" beschreibt unregelmäßige, wie angenagt wirkende Deck- und Grundplatten. Weil eine Entzündung der Bandscheibe ähnlich aussehen kann, schreiben Radiologen manchmal dazu, dass diese abgegrenzt werden sollte. Dann gehört der Befund zeitnah zu der Ärztin, die das MRT veranlasst hat.
Was sind Modic-Veränderungen?
Modic-Veränderungen sind Veränderungen im Knochenmark der Wirbelkörper neben einer Bandscheibe, eingeteilt in drei Typen (Modic und Kollegen, Radiology, 1988). Typ 1 steht für eine frische Reizung mit mehr Flüssigkeit, Typ 2 für eine Einlagerung von Fett, Typ 3 für eine Verdichtung des Knochens. Die Typen können mit der Zeit ineinander übergehen.
Verkürzt eine Osteochondrose die Lebenserwartung?
Nein. Osteochondrose ist Verschleiß und keine Erkrankung, die das Leben verkürzt. Sie kann Rückenschmerzen machen, muss es aber nicht: Viele Menschen haben im MRT deutliche Zeichen von Bandscheibenverschleiß und keine Beschwerden (Brinjikji und Kollegen, American Journal of Neuroradiology, 2015).
Wie geht es nach dem Befund weiter?
Ob Ihre Beschwerden von der Osteochondrose kommen, beurteilt Ihre behandelnde Ärztin zusammen mit Befragung und Untersuchung. Bei verschleißbedingten Rückenschmerzen steht in der Regel eine nicht-operative Behandlung im Vordergrund; welche für Sie passt, legen Sie gemeinsam fest.
Fragen für den Termin: An welcher Höhe liegt die Osteochondrose? Ist sie aktiviert? Soll eine Entzündung ausgeschlossen werden? Passt der Befund zu meinen Beschwerden?
Bei MeinBefund24 erklärt Ihnen ein in Deutschland approbierter Arzt Ihren Befund im Videogespräch, Termin meist in 60 Minuten, täglich bis 22 Uhr. Sie können alle Fragen stellen und bekommen danach eine schriftliche Zusammenfassung; das Gespräch kostet 19,99 €. Eine Untersuchung oder Behandlung ersetzt es nicht.
Wann sofort zum Arzt?
Bei plötzlicher Lähmung oder deutlichem Kraftverlust in Armen oder Beinen, Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich, Problemen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang oder bei Fieber zusammen mit Rückenschmerzen: sofort in die Notaufnahme oder den Notruf 112 wählen.
Außerhalb der Sprechzeiten Ihrer Praxis erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Quellen
- Brinjikji W, Luetmer PH, Comstock B, et al. Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. American Journal of Neuroradiology 2015;36(4):811–816.
- Modic MT, Steinberg PM, Ross JS, et al. Degenerative disk disease: assessment of changes in vertebral body marrow with MR imaging. Radiology 1988;166(1):193–199.
Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung im Einzelfall. Bei akuter Gefahr wählen Sie 112.