Befund verstehen
Spinalkanalstenose
Kurz gesagt: Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals, meist im Lendenbereich und meist durch Verschleiß. Im MRT ist sie häufig zu sehen, auch bei Menschen ohne Beschwerden. Entscheidend ist, ob die Enge zu Ihren Beschwerden passt, und das beurteilt Ihre Ärztin zusammen mit der Untersuchung.
Stand:
Ärztlich geprüft am von einem in Deutschland approbierten Arzt · So prüfen wir
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Der Spinalkanal ist der Kanal in der Wirbelsäule, in dem Rückenmark und Nervenfasern verlaufen. Bei einer Stenose ist er enger als üblich. Meist entsteht das langsam über Jahre: Bandscheiben verlieren an Höhe, die kleinen Wirbelgelenke werden dicker, und ein Band im Kanal, das gelbe Band, verdickt sich.
Am häufigsten betrifft das die Lendenwirbelsäule (LWS), seltener die Halswirbelsäule (HWS). Eine angeborene Enge gibt es auch, sie ist aber seltener als die verschleißbedingte.
Wie steht die Spinalkanalstenose im Befund?
Typische Formulierungen sind „relative" oder „absolute Spinalkanalstenose", „mäßige" oder „hochgradige Stenose" und die Höhe, etwa „L4/5", also zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel. „Relativ" und „absolut" beziehen sich auf gebräuchliche Richtwerte für den Durchmesser des Kanals; im Lendenbereich liegen sie bei etwa 12 und 10 Millimetern.
Oft nennt der Befund auch die Ursache, zum Beispiel eine Bandscheibenvorwölbung oder verdickte Wirbelgelenke (Spondylarthrose). Steht dort „Kontakt" oder „Kompression" von Nervenwurzeln, beschreibt das, wie eng es an einer Stelle ist.
Ist eine Spinalkanalstenose gefährlich?
In den meisten Fällen nicht. Eine Enge im Lendenbereich wird mit dem Alter häufiger, und viele Menschen, bei denen sie im Bild zu sehen ist, haben keine oder nur geringe Beschwerden (Kalichman und Kollegen, The Spine Journal, 2009).
Anders ist es, wenn Nerven deutlich bedrängt werden und Ausfälle entstehen, zum Beispiel Kraftverlust. Eine Enge in der Halswirbelsäule kann das Rückenmark selbst betreffen; Gangunsicherheit oder Ungeschicklichkeit der Hände sollten dann zeitnah ärztlich angesehen werden.
Welche Beschwerden können dazu passen?
Typisch für eine Enge im Lendenbereich sind Schmerzen, Kribbeln oder Schwäche in den Beinen beim Gehen oder langen Stehen, die im Sitzen oder beim Vorbeugen nachlassen. Manche merken, dass sie mit einem Einkaufswagen weiter kommen als ohne, weil das Vorbeugen den Kanal etwas weitet.
Ob Ihre Beschwerden von der Stenose kommen oder eine andere Ursache haben, lässt sich aus dem Bild allein nicht sagen. Das klärt Ihre behandelnde Ärztin mit Befragung und Untersuchung.
Wie geht es nach dem Befund weiter?
Welche Behandlung infrage kommt, entscheidet Ihre behandelnde Ärztin. Meist steht zunächst eine nicht-operative Behandlung im Vordergrund; über eine Operation wird in der Regel erst gesprochen, wenn die Beschwerden trotzdem stark bleiben oder Nervenausfälle auftreten.
Fragen für den Termin: Wo genau liegt die Enge, ist sie relativ oder absolut? Werden Nervenwurzeln berührt? Passt der Befund zu meinen Beschwerden? Ist eine Kontrolle nötig?
Bei MeinBefund24 erklärt Ihnen ein in Deutschland approbierter Arzt Ihren Befund im Videogespräch, Termin meist in 60 Minuten, täglich bis 22 Uhr. Sie können alle Fragen stellen und bekommen danach eine schriftliche Zusammenfassung; das Gespräch kostet 19,99 €. Eine Untersuchung oder Behandlung ersetzt es nicht.
Wann sofort zum Arzt?
Bei plötzlicher Lähmung oder deutlichem Kraftverlust in Armen oder Beinen, Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich, Problemen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang oder bei Fieber zusammen mit Rückenschmerzen: sofort in die Notaufnahme oder den Notruf 112 wählen.
Außerhalb der Sprechzeiten Ihrer Praxis erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Quellen
- Kalichman L, Cole R, Kim DH, et al. Spinal stenosis prevalence and association with symptoms: the Framingham Study. The Spine Journal 2009;9(7):545–550.
Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung im Einzelfall. Bei akuter Gefahr wählen Sie 112.